Ich kann es nicht mehr hören. In den Zeitungen, in der Glotze, ja selbst auf Twitter muss ich immer wieder lesen, wie teuer die Rettung Griechenlands sei. Über 100 Milliarden Euro geben angeblich die Euro-Länder aus, vorneweg Deutschland, um Griechenland Geld zu geben, damit dort der Staat zahlungsfähig bleibt.
Sorry, aber diesen Mist kann man doch nicht glauben.
Um das etwas begründen zu können, müssen wir uns nur mal ansehen, wofür das Geld denn überhaupt zur Verfügung gestellt werden soll. Griechenland hatte Ende 2010 Staatsschulden von 340,278 Mrd. Euro bei einem BIP von 229,396 Mrd Euro. Das macht eine Staatsneuverschuldung von 148,35 % des BIP. Um das mal für Nicht-Volkswirte zu beschreiben; Griechenland hat [bis] 2010 1,5 mal so viel Kredit aufgenommen, wie die eigene Volkswirtschaft produzieren konnte.
Bei einem solchen Verhältnis von Staatsverschuldung zu BIP analysierten schon vor über einem Jahr manche Experten “Griechenland werde an den Zinsahlungen ersticken“. Warum?
Jedem Finanzanalysten muss Griechenland wie eine goldene Kuh vorkommen. Griechenland ist ein Staat. Wenn Staaten sich verschulden, tun sie das zumeist auf eine Art, sie bringen Staatsanleihen aus. Diese werden dann durch Anleger gekauft und verzinst. Die Zinsen für deutsche Anleihen sind verhältnismäßig gering, die für Griechenland entsprechend hoch. Der Unterschied in den Zinshöhen drückt das Ausfallrisiko der Anleihen aus, wenn jemand also Geld in Deutschland anlegt, ist es extrem unwahrscheinlich, dass er sein Geld nicht zurückbekommt. Bei der Einstufung des Ausfallrisikos verlassen sich so ziemlich alle Finanzanalysten auf die Ratings der drei großen Agenturen. (Umfangreicheres Problem, auf das ich in einem späteren Post bestimmt nochmal eingehen werde)
Soweit zur Theorie.
Was passiert nun mit dem Geld, dass Griechenland gegeben wird? Ganz klar. Es kommt zurück. Fast postwendend. Die größten Gläubiger des griechischen Staates sitzen in der Deutschen Bank. Ja genau, diese windigen Typen um Guru Josef Ackermann, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit versuchen, bei Frau Merkel die endgültige Deregulierung des Bankensektors zu erreichen. Und diese windigen Investmentbänker sind es, die über verschiedene Fonds in Griechenland Staatsanleihen gekauft haben.
Kein verdammter Euro Steuergeld, der von Deutschland aus nach Griechenland wandert, hilft den Menschen dort auch nur einen Meter weiter. Das Geld könnte genausogut direkt von “Schwarzkoffer”-Schäubles Finanzministerium zur nächsten Filiale der Deutschen Bank getragen werden.
Wozu muss die Deutsche Bank unter einen “Bankenrettungsschirm”, wenn sie PR-schonender, den griechischen Staat als Strohpuppe benutzen kann. Vorteil: Griechenland bekommt die Shitstorms der Springer-Presse ab und Ackermann kann weiter Cohibas schmauchend grinsen.
Vielen Dank. Die Menschen in Griechenland müssen jetzt Einsparungen der öffentlichen Hand hinnehmen, die für uns kaum vorstellbar sind, außer für jene, die sich schon längere Zeit in Krisengebieten oder Drittweltländern aufgehalten haben. Und genau da liegt der Hund begraben. Deutschland, oder genauer die Merkelsche Christenregierung verkauft die Demokratie in Griechenland zugunsten der Shareholder-Value der Deutschen Bank.
Wäre ich Grieche, ich wäre auf der Straße, ich würde Barrikaden bauen und mich wehren. Und das tun die Griechen. Lasst sie uns dabei unterstützen, so gut wir können!
edit: Stimmt, Fehlerteufel hatte sich eingeschlichen. Vielen Dank an die geneigten Kommentatoren.


Lieber Oliver,
ich glaube, Du bist da gerade mächtig ins Schleudern geraten. Die Griechen haben mitnichten eine Neuverschuldung von 150% des BIP, sondern eine Gesamtverschuldung von 150% des jährlichen BIP. Ist schon viel genug. Sie haben auch mitnichten 1,5 mal soviel Schulden 2010 aufgenommen wie das BIP.
Michael
Stimmt. Danke. Ich hab es korrigiert.
Selten solchen Stuß gehört. Jetzt überdenk nochmal den mit deinem Fazit einhergehenden Dominoeffekt und dann will ich sehn, wie man noch mal guten Gewissens auf so eine Aussage kommt.
Ah, die Mär der systemrelevanten Banken. Oder wie darf ich das verstehen?
Sind Banken wichtiger als Menschen? Die Frage stelle ich.
Es ist äußerst seltsam sich über den “shitstorm der springer-presse” aufzuregen, wenn man selbst als Mitarbeiter von BP-Mediawork bei BILD.de als Contenpfleger arbeitet und somit indirekt an der ganzen Geschichte mitwirkt, oder?
Ist das so? Kannst du mir das etwas deutlicher machen?
Mir erschließt sich nämlich keinesfalls der Zusammenhang meines Studentenjobs, den ich ausgeführt habe um während des Wahlkampfes ein Dach über dem Kopf und etwas Essbares im Kühlschrank zu haben und meiner politischen Einstellung, sowie meiner angebrachten Kritik an der Art der springerschen Berichterstattung.
Oder ist das ein Versuch, hier etwas zu skandalisieren?
Also erst herzlichen Glückwunsch für Euren Wahlerfolg. Ich bin Mitglied bei den Violetten und bleibe da auch. Ich habe Euch schon genug untersützt, war auch auf der DEMO Freiheit statt Angst. Also die Griechenlandkrise ist eine Farce. Erst verkaufen wir Ihnen unsere teueren Waffen und dann unsere teuren Kredite so Der Rüstungshaushalt der Griechen muss auf NULL. Dann den Griechen einfach billge Kredite vermitteln und die paar Millardäre in Griechenland komplett enteignen und das Probllem ist gelöst!!
Nach den Korrekturen stimmen die Fakten immerhin halbwegs. Nur die Schlussfolgerung ist Mist. Griechenland hat sich Geld geliehen, um ähnlich unbezahlbare Steuergeschenke zu realisieren, wie die Piraten sie jetzt fordern. Die Parteien haben in den Wahlkämpfen immer wieder mit unbezahlbaren Forderungen über Jahre das Land immer weiter in den Ruin getrieben. Dadurch hat sich der Staat immer weiter abhängig gemacht von den Banken.
Das Geld, dass Griechenland “gegeben” wird, gibt es übrigens nicht. Deutschland leiht Griechenland Geld für einen niedrigeren Zinssatz als der Finanzmarkt. Dieses Geld bekommt Deutschland von den Finanzmärkten für geringere Zinsen. Das Geld muss so oder so geliehen werden, nur zahlt Griechenland weniger dafür, der deutsche Staat macht Gewinn und der Finanzsektor bekommt weniger Zinsen als wenn Griechenland selber das Geld geliehen hätte. Dafür übernimmt Deutschland einen großen Teil des Ausfallrisikos vom Finanzmarkt. So lange Griechenland aber nicht pleite geht, profitieren wir.
Was die Einschnitte in Griechenland angeht: Es wird dort nur der Zustand hergestellt, den man allgemein als vernünftig bezeichnen würde: Der Staat gibt so viel Geld aus, wie er auch einnimmt. So hätte es schon vor 20 Jahren in diesem Land aussehen sollen. Dass das weh tut, ist keine Frage. Dass das ungerecht ist, kann ich nicht bestreiten. Die Folgen einer Staatspleite würde aber nicht nur die Deutsche Bank sondern eben ganz besonders und vor allem Griechenlands Bevölkerung treffen und zwar genau diejenigen, die von staatlichen Leistungen abhängen: Arbeitslose, Rentner, Lehrer, Feuerwehr, Polizisten etc., also alle, die Geld vom Staat bekommen. Außerdem alle Unternehmen, die von staatlichen Aufträgen abhängen, etwa ganz besonders die Baubranche, was die Massenarbeitslosigkeit noch weiter verschlimmern würde. Argentinien hat sich bis heute nicht von der Staatspleite erholt.
Übrigens: Die Deutsche Bank ist ein großer Kreditgeber Griechenlands, die staatseigenen Banken KfW und HRE sind allerdings die größten. Dazu die teilverstaatlichte Commerzbank und diverse Landesbanken. In Deutschland würde also auch bei nicht Einschreiten des Staates der Staat die griechische Pleite bezahlen und damit nicht nur indirekt durch eine Wirtschaftskrise sondern auch noch direkt wir.
“Sind Banken wichtiger als Menschen?”
Das ist nicht Ihr Ernst? Eine unglaublich polemische und peinliche Aussage. Wer arbeitet denn für die Banken? Andere Banken? Und die Unternehmen, die pleite gehen, wenn sie keine Kredite von den Banken bekommen? Arbeiten für die etwa nur Maschinen?
Leider stimmt es nicht, dass wenn es der Wirtschaft gut geht, es auch den Menschen gut geht, nicht ohne die richtige Politik zumindest. Sehr wohl geht es aber den Menschen schlecht, wenn es der Wirtschaft schlecht geht.
Nein, Banken sind nicht wichtiger als Menschen aber mehrere Millionen Arbeitsplätze sind wichtiger als ein paar Steuermilliarden und die Genugtuung, wenn die Deutsche Bank pleite ginge.
Und jetzt möchte ich von einem Politiker, dessen Partei ich immerhin schon eine Stimme gegeben habe, gerne Lösungsvorschläge hören und nicht Kommentare a la “die da oben sind sooo böse”. Würden Sie eine Pleite Griechenlands befürworten mit allen angesprochenen Folgen? Und jetzt kommen Sie nicht mit “das ist nicht das Thema, man hätte von Anfang an anders reagieren sollen” nein, das Problem ist da. Wer Schuld ist, spielt jetzt keine Rolle. Das einzige was eine Rolle spielt ist eine Lösung.
Von den Piraten habe ich noch keine gesehen.